Atomkraft rechnet sich nicht. Sogar dem Energieversorger EnBW ist das klar.

Ein Atomkraftwerk in der Abendsonne als Symbol atomarer Phantasien
Atomkraftwerk in der Abendsonne als Symbol atomarer Phantasien der Bundesregierung, Quelle: Yayimages

Obwohl die Rückkehr zur Atomkraft in Deutschland immer wieder aus der Politik gefordert wird, sprechen die nüchternen Zahlen eine mehr als deutliche Sprache: Kernenergie ist schlicht und einfach zu teuer.

Das ist keine Einschätzung von Umweltschützern oder Aktivisten – das sagt EnBW einer der größten deutschen Energiekonzerne selbst, der zum großen Teil in Staatsbesitz ist.

Ausgerechnet EnBW zieht die Reißleine

Die EnBW (Energie Baden-Württemberg AG) ist kein Unternehmen, das bisher im Verdacht stand, grüne Energiepolitik zu betreiben.

Umso bemerkenswerter ist, was der Konzern in einem Faktencheck auf seiner Website festhält:
Atomstrom ist eine der teuersten Formen der Stromerzeugung – mit Gestehungskosten von bis zu 49 Cent pro Kilowattstunde.
Strom aus neuen Windkraftanlagen kostet einen Bruchteil davon, und Solarenergie hat sich in den vergangenen 15 Jahren um über 80 Prozent verbilligt. Die Kernenergie hingegen ist im gleichen Zeitraum um fast die Hälfte teurer geworden.

Aktuell könnte man Strom für etwa 25 Cent pro Kilowattstunde vom Netzbetreiber kaufen. Wer möchte also ernsthaft auf Kernenergie setzen? Diese müsste zzgl. Vertrieb, Gewinnen etc. sicher über 60 Cent kosten.

Wie groß muss bei EnBW die Verzweiflung über die nuklearen Phantasien der Bundesregierung sein?

Wenn selbst ein klassischer Energieversorger wie EnBW – der jahrzehntelang von der Kernkraft profitiert hat – heute klar Stellung bezieht und seine gesamte Strategie auf erneuerbare Energien ausrichtet, sollte das zu denken geben.

Versteckte Kosten, die niemand einpreist

Die genannten 49 Cent auf der EnBW-Website sind dabei noch nicht einmal das vollständige Bild. Darin sind die gesellschaftlichen Folgekosten nicht enthalten: staatliche Förderungen, Umweltschäden durch den Uranabbau und vor allem die atomare Entsorgung. Für die Lagerung und Endlagerung des radioaktiven Mülls rechnet die Bundesregierung bis zum Jahr 2100 mit rund 170 Milliarden Euround ein geeignetes Endlager ist bis heute weder gefunden noch in Sicht.

Der Haushalt des Bundesumweltministeriums besteht schon heute zu mehr als der Hälfte aus Atom-Folgekosten

Wie real diese Folgekosten heute schon sind, zeigt ein Blick in den Haushalt des Bundesumweltministeriums. Das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) verfügt 2025 über einen Gesamtetat von rund 2,69 Milliarden Euro.

Davon fließen allein absurde 1,4 Milliarden Euroalso mehr als die Hälfte des gesamten Budgets – in die Zwischen- und Endlagerung radioaktiver Abfälle.

Für Natur- und Umweltschutz hingegen stehen zusammen nur rund 400 Millionen Euro zur Verfügung.
Kritiker bringen es auf den Punkt: „Der Atommüll frisst den Umweltschutz auf.“

Und der Trend zeigt nach oben: Im Haushaltsentwurf 2026 sind bereits 2,85 Milliarden Euro veranschlagt – mit weiter steigendem Anteil für nukleare Altlasten.
Dabei sind das noch nicht einmal alle Atomkosten im Bundeshaushalt: Das Bundesforschungsministerium trägt zusätzlich die Kosten für staatliche Nuklearanlagen aus vergangenen Jahrzehnten, und das Finanzministerium ist aufgrund der Einigungsverträge für den Rückbau des ehemaligen AKW Greifswald zuständig – dessen Kosten inzwischen auf über 10 Milliarden Euro geschätzt werden.

Kein Neustart von Atomkraftwerken möglich – selbst wenn man wollte

Ein weiteres Argument der Atomkraft-Befürworter lautet: Einfach die alten Kraftwerke wieder hochfahren. Doch das ist technisch und wirtschaftlich eine Illusion. Die zuletzt abgeschalteten Reaktoren befinden sich bereits im Rückbau. Sicherheitsgenehmigungen und Versicherungsgarantien fehlen, notwendige Bauteile werden nicht mehr hergestellt, und das Fachpersonal ist längst abgewandert. Bestenfalls handelt es sich um 40 Jahre alte Technik.

Und Neubauten? Das britische Projekt Hinkley Point C zeigt exemplarisch, wohin das führt: Statt der geplanten 19 Milliarden Euro werden am Ende voraussichtlich über 50 Milliarden Euro fällig.
Die von Markus Söder und Friedrich März immer wieder ins Spiel gebrachte Kernfusions-Technik funktioniert bis heute und auf absehbare Zeit nicht.

Endlager Grafenrheinfeld?

CASTOR-Behälter mit abgebrannten Brennelementen lagern weiterhin in einer Halle in Grafenrheinfeld.

Die atomrechtliche Genehmigung für das Zwischenlager läuft bis 2046 – gerechnet ab der ersten Einlagerung im Jahr 2006, also genau 40 Jahre. Ursprünglich war das als vorübergehende Lösung gedacht, bis ein nationales Endlager gefunden ist. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat eingeräumt, dass eine Standortentscheidung für ein Endlager frühestens zwischen 2046 und 2068 fallen wird – also möglicherweise erst nach Ablauf der Zwischenlagergenehmigung in Grafenrheinfeld.

Und die Alternative Gas? Auch keine Lösung

Wer argumentiert, man könnte Atomkraftwerke durch Gaskraftwerke ersetzen, löst das Problem nicht – er verschiebt es nur. Gaskraftwerke, der neue Fetisch der Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, kommen auf Stromgestehungskosten inkl. wirtschaftlicher Folgekosten von rund 67 Cent pro Kilowattstunde, womit sie sogar noch teurer als Kernenergie wären. Von den CO₂-Emissionen und der Abhängigkeit von Gasimporten ganz zu schweigen.

Fazit: Die Zahlen lügen nicht

Die Debatte um die Rückkehr zur Atomkraft wird oft emotional geführt. Aber wer auf die Fakten schaut – und das tut inzwischen sogar die EnBW –, kommt zu einem eindeutigen Schluss: Kernenergie ist zu teuer, zu langsam und belastet zukünftige Generationen mit kaum kalkulierbaren Risiken und Kosten.

Das Geld, das in einen Atomneustart fließen würde, fehlt beim Ausbau der erneuerbaren Energien – der einzigen Technologie, die tatsächlich günstiger wird und das Land unabhängig von zweifelhaften Lieferanten macht.